„Ich bin nicht verrückt – ich bin nur nicht wie Sie.“

Gepostet: 22. Mai 2020

Diese eine kleine Änderungen kann große Meinungsverschiedenheiten in ein kreatives Miteinander transformieren.

Die Ausgangssituation: Sie hören ein Statement, dem Sie überhaupt nicht zustimmen können. Und Ihnen ist ganz klar, dass Sie überhaupt nicht der MEINung ihres Gegenüber zustimmen können. Was ist zu tun? Ganz einfach. Ersetzen Sie innerlich das MEIN durch DEIN und entspannen Sie zunächst sich und dann die Situation.

Warum Sie das tun sollten? Hier ein paar Denkanstöße:

DEINung ist ein Instrument zur Verbesserung der Selbstreflektion.

Wir können gar nicht anders, als MEINungen zu haben, denn MEIN System interpretiert Inhalte, Themen, Aussagen etc. nun mal so.

Die Aussage: Ich bin nicht Ihrer MEINung ist eine Floskel. Jeder weiß, was damit gemeint ist. Die Aussage erfolgt AUTOMATISCH, also in der Regel unreflektiert. Dennoch, um Gespräche, Meetings etc. schnell auf ein besseres Niveau zu heben, sollte klar sein, dass an einem solchen mehrere MEINungen teilnehmen (aus der Vogelperspektive/ Meta-Ebene/ Supervision) und bevor man UNBEWUSST in einen Konflikt gerät, kann man sich als Einzelperson klar machen, dass es hier vierschiedene DEINungen zu ein und demselben Sachverhalt gibt. Mit der einfachen, sprachlich herbeigeführten Unterbrechung (Abstandsgewinnung) lässt sich manche Situation präventiv deeskalieren.

In Teams/ Arbeitsgruppen etc. kommt es zu immer wieder zu unterschiedlichsten DEINungen und dies hoffentlich nicht aufgrund von GESCHMACKS- oder EMOTIONSDISKUSSIONEN sondern aufgrund von Sachverstand und ARGUMENTEN.

Wir konnten dieses Vorgehen in der Anfangsphase der Corona-Maßnahmen sehr gut beobachten – und auch, wie schwierig es ist, sich daran zu halten (eben weil wir Menschen sind), z. B. bei der Abstimmung zwischen Politik (Entscheidern) und Experten (Virologen). Mehrere DEINungen (aus unterschiedlichsten Perspektiven) mussten weitreichende Entscheidungen treffen, um größeren Schaden zu verhindern.

In einem agilen Team darf und sollte jeder seine MEINung ausführen und deutlich machen, worauf diese aufbaut; hoffentlich auf Kompetenz (Erfahrung, Skills, Wissen, etc.) und nicht aufgrund von Macht- und Gefühlsillusionen.

Kommt es zum Konflikt, weil die UNGEN aufeinanderstoßen, sollten die Betreffenden wissen, dass die andere Auffassung nicht zwangsläufig ihre MEINung werden muss. Man(n) muss nicht ÜBERzeugen, man/frau muss sich nicht UNTERordnen. Es soll vernünftig (im Sinne von logisch) und klug (im Sinne von human und moralisch) abgewogen werden; dabei helfen in der Regel folgende, erkenntnisleitende Fragen: Was verbindet uns? Was ist unser übergeordnetes, gemeinsames Ziel? Welche Handlungen leiten sich daraus ab? Werden wir mit dieser Entscheidung gewinnen? Woran machen wir gewinnen fest?

Ziel der Einführung des Sprachwerkzeugs DEINung ist es, Konflikte klug auszutragen. Immer gemäß dem Leitsatz von Friedrich Glasl: Wir haben einen Konflikt, aber der Konflikt hat nicht uns!

Der Einsatz des Werkzeugs setzt eine gewisse menschliche Reife, Selbstvertrauen und Selbstachtsamkeit voraus – und es hilft enorm, sich der Werkzeuge zu bedienen, die diese fördern. Unsere SPRACHE konstruiert Wirklichkeiten – daher ist es so hilfreich, sich des Zusammenspiels von MEINung und DEINung immer wieder bewusst zu werden.

Eine Kultur genauso wie ein Markenbild sind kollektive MEINungen also eine Art manifestierter UNSERung.

Also, nutzen Sie die Vielzahl kollektiver MEINungen; seien Sie sich bewusst, dass aus der ICH-Perspektive jede andere MEINung zunächst einmal eine DEINung ist und nicht AUTOMATISCH, UNREFLEKTIERT zu Ihrer werden muss, sie also nicht automatisch dagegen kämpfen müssen; und ringen sie gemeinsam um eine UNSERung, je klarer das gemeinsame Bild, seine Werte, Konsequenzen etc. – desto einfacher die Orientierung.

Schlusswort: Kommunikation ist komplex, Menschen sind extrem komplex –DEINung und UNSERung sind hingegen ganz einfache Sprachwerkzeuge, um in schwierigen Situationen, schneller zu besseren Entscheidungen zu kommen UND nicht sinnlos Energie und Zeit zu verschwenden.

Und wer jetzt glaubt, dass wäre zu einfach, dem sei gesagt, es ist einfach, aber alles andere als leicht, das Werkzeug im Alltag anzuwenden. In diesem Zusammenhang ist folgendes Buch von Christian Ankowitsch sehr zu empfehlen; „Die Kunst einfache Lösungen zu finden.“

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